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Über die Lageeinschätzung hinaus: Wie Drohnen Gefahrguteinsätze verändern

Florida Fire Department Contained Leak within Hours

By Malek Murison Malek Murison
Dezember 13, 2020

“Nothing compares to everybody looking at the same video in real-time.”
~ Rich Gatanis, UAS Coordinator, SMFR

Wasserfreies Ammoniak ist hochgiftig und äußerst flüchtig. Chemikalien werden im Allgemeinen für die industrielle Kühlung verwendet und können bei Personen, die damit in Kontakt kommen, zum Erblinden, Ersticken, Verbrennen und sogar zum Tod führen.

Diese Art von Substanz möchte man um jeden Preis meiden, aber für das Southern Manatee Fire & Rescue (SMFR) Gefahrgutteam erfordert die Arbeit genau das Gegenteil, nämlich dass sie sich der Gefahr aussetzen.

Am 14. November wurde das SMFR Gefahrgutteam wegen des Austritts von wasserfreiem Ammoniak in einem Lebensmittelverteilungslager in Sarasota, Florida, alarmiert.

Dabei wurde ein Feueralarm ausgelöst, der mit dem internen chemischen Überwachungssystem verbunden war. Die ersten Einsatzkräfte vor Ort – von der Feuerwehr des Bezirks Sarasota – waren damit beschäftigt, die Quelle dieses Austritts zu ermitteln.     

 

Aber die Untersuchung aus dem Inneren des Gebäudes heraus, erwies sich als schwierig. Die Ersthelfer waren sich sicher, dass Ammoniak über das Dach austrat, aber sie wussten nicht, woher es kam. Der nächste Schritt bestand darin, die externe Kälteanlage und die Abluftventilatoren des Lagers zu inspizieren, um den Ursprung der Leckage zu finden.

 

Wie fast immer im Zusammenhang mit Gefahrgutszenarien, war es für das Team wichtig, die Situation genauer zu betrachten, um sich zu vergewissern, womit sie es zu tun hatten. Diese anfängliche Unsicherheit ist eine Konstante im Umgang mit unsichtbaren Bedrohungen. 

 

Rich Gatanis, Feuerwehrmann, EMT und UAS-Koordinator bei SMFR, erklärt: „Bei einem Brand, hat die normalerweise gefährliche chemische Reaktion bereits stattgefunden.“

 

Bei Gefahrgut ist das anders. Es muss immer eine Untersuchung vor Ort durchgeführt werden, bevor Maßnahmen ergriffen werden. 

 

Die Gefahrgutmannschaft der SMFR wurde zur Unterstützung gerufen und bot eine Fähigkeit an, die die Art und Weise, wie solche Operationen durchgeführt werden, neugestaltet: Eine anpassungsfähige Drohnenflotte mit Wärmebildfunktionen, einschließlich der DJI Mavic 2 Enterprise Dual und der Matrice 210 V1, die für Gefahrguteinsätze angepasst wurde.

SMFR ammonia response

DJI Matrice 210 for hazmat response

Das SMFR Gefahrgutteam hat mithilfe der Mavic 2 Enterprise Dual Wärme- und Sichtbildvideos übertragen, das den Standort und die Quelle der Ammoniakwolke zeigt. Das Bild oben zeigt Lieutenant Ed Tumolo und Feuerwehrmann Sean Lucas, beide Mitglieder des Southern Manatee UAS-Teams.

Blick von Oben

Während sich das Gefahrgutteam bereit machte, flog eine Mavic 2 Enterprise Dual in den Himmel und übermittelte in regelmäßigen Abständen ein Wärmebildvideo, das den Standort und die Quelle der Ammoniakwolke zeigte. Ausgestattet mit diesen Informationen konnten die Gefahrgutteams in Zusammenarbeit mit der Werksleitung ermitteln, welches Ventil abgeschaltet werden sollte, um die Leckage zu stoppen, und mit der Dekontamination beginnen.  

„Wir haben die M2ED aufgrund ihrer Fähigkeiten zur Erfassung von thermischem und sichtbarem Licht eingesetzt. Es ist typischerweise unser „First-Out“-System – schon alleine durch die Geschwindigkeit, mit der wir es einsetzen können. Wir haben die Möglichkeit, uns rasch einen Überblick zu verschaffen, ohne dass wir unsere Männer dorthin schicken müssen“, sagt Gatanis.

Die M2ED hat die Sicherheit der Techniker im Einsatz verbessert, indem die Anzahl der erforderlichen Zutritte reduziert wurde. Die darüber hinwegfliegende Drohne hat es ermöglicht, dass das Einsatzteam weniger schädlichen Einflüssen ausgesetzt war und Entscheidungen aus sicherer Entfernung getroffen wurden. Das Gefahrgutteam konnte die Auflösung der Ammoniakwolke beobachten und erkennen, woher sie kam.

Die Flotte des SMFR Gefahrgutteams umfasst eine DJI Matrice 210 V1 und eine Inspire 1 als Backup welche zusammen mit der Zenmuse Z30- und XT-Kamera eingesetzt wurde. In diesem Fall war die M2ED in der Lage, alle erforderlichen Informationen bereitzustellen, und ein Einsatz der M210 war nicht erforderlich. 

Erst wenn man die Komplexität von Gefahrgutsituationen versteht, wird deutlich, warum Gatanis die von unbemannten Systemen gesammelten Informationen als „unschätzbar wertvoll“ bezeichnet. 

Während eines Zwischenfalls sind Ersthelfer und Einsatzplanungsteams durch Entfernung, Zeit und Einsatzgebiete getrennt. Die Mannschaften sind auf „kalte“, „warme“ und „heiße“ Zonen verteilt. Sie arbeiten vom Kommandoposten aus, dekontaminieren diejenigen, die vom Einsatzort kommen, oder beschäftigen sich direkt mit dem Gefahrgut.

Die Aufteilung der Gefahrgutteams auf diese Weise ist notwendig, schafft aber Raum für Fehler. Traditionell ist das Verständnis eines Kommandopostens für eine Situation durch alle möglichen Faktoren begrenzt – wobei die Entfernung die größte Hürde darstellt. Bilder von Handkameras und Berichte der Einsatzteams sind fehlbar. Der Funkkontakt ist notorisch unzuverlässig. Und Szenarien können in der Zeit, die für den Übergang zwischen den Zonen und für die direkte Berichterstattung aus erster Hand an die Vorgesetzten benötigt wird, ausweiten.  

All dies erklärt, warum das SMFR UAS-Team nach der Lokalisierung des Ammoniakaustritts noch nicht fertig war. Um die Lage besser einzuschätzen, blieb die Mavic 2 Dual in der Luft. Die Fortschritte des Einsatzteams wurden zur Basis übermittelt, was die Leistung und die Sicherheit des Teams verbesserte.

 

„Die Kommunikation ist normalerweise das schwächste Glied bei Gefahrguteinsätzen“, sagt Gatanis. 

 

„Vor der Einführung von Drohnen bestand keine Möglichkeit, unsere Männer im Auge zu behalten. Wir haben uns ausschließlich auf den Funkverkehr verlassen, der ohnehin schlecht war. Ein Blick aus der Vogelperspektive verbessert unsere Fähigkeit, eine Situation zu entschärfen. So können wir die Situation viel schneller verstehen und sicherstellen, dass alle aus der gleichen operativen Perspektive arbeiten.“

 

Die Mannschaften haben zwar entsprechende Kommunikationsverfahren eingerichtet, aber „nichts ist damit vergleichbar, dass alle in Echtzeit das gleiche Video vor Augen haben. So können wir Fehlinformationen deutlich reduzieren.“

SMFR ammonia leak response with drones

Ein Blick aus der Vogelperspektive vernetzt die am Einsatzort arbeitenden Techniker mit den Einsatzleitern und stellt sicher, dass alle nach dem gleichen operativen Muster arbeiten.

Gegen 8:30 Uhr – etwas mehr als zwei Stunden, nachdem das SMFR Gefahrgutteam zum Einsatzort gerufen worden war – verließen die Mannschaften das Gelände und die Anlage wurde wieder in Betrieb genommen. Die Ersthelfer hätten ohne den Einsatz von Drohnen mehrere Male auf das Dach steigen müssen, da die Einsatzzeit in den Gefahrgutanzügen begrenzt ist. Dies hätte möglicherweise die Zeit am Einsatzort und die Ausfallzeiten für das Unternehmen deutlich erhöht.

Wie Drohnen eine aktive Rolle bei Gefahrguteinsätzen übernehmen

In seiner Rolle als UAS-Koordinator bei SMFR haben Rich Gatanis und sein Team von Southern Manatee Pionierarbeit beim Einsatz von Drohnen bei Gefahrenguteinsätzen geleistet. Er hat mehrere Lösungen entwickelt, um die Bedeutung der unbemannten Technologie über die Lageeinschätzung hinaus zu erweitern, und wurde kürzlich eingeladen, seine Erfahrung und sein Fachwissen auf dem Internationalen Feuerwehrkongress in Bogotá, Kolumbien, zu teilen.

Im vergangenen Jahr entwickelte Southern Manatee einen Entflammbarkeitstest, um zu ermitteln, ob sich die M210 in einer brennbaren Atmosphäre entzünden würde. Sie entwickelten auch eine Möglichkeit zur Befestigung von Chemikalien-, Dampf- und Strahlungsmessgeräte auf derselben Plattform, um den Beamten die Informationen zu liefern, die sie benötigen, um sich einem Ort mit der entsprechenden Ausrüstung und Sicherheitskleidung zu nähern. Die Messgeräte werden mit der bordeigenen Kamera der Drohne ausgelesen

„Wenn ich mich in einem Plastikanzug in eine Wolke begebe, von der wir glauben, dass sie chemisch ist, die sich aber als brennbares Gas herausstellt, bin ich beim Vorhandensein einer Zündquelle nicht geschützt. Die Identifizierung dessen, womit wir es zu tun haben, ist äußerst wichtig.“

Typischerweise identifiziert ein Gefahrguttechniker oder eine Mannschaft in voller Ausrüstung das Gefahrgut, bevor sie zurückkommt, um diese Informationen weiterzugeben, damit das Team seine Ausrüstung und Taktik entsprechend anpassen kann, erklärt Gatanis.

Dabei kann Ausrüstung im Wert von Tausenden von Dollar irreparabel beschädigt werden, gleichzeitig gehen kostbare Sekunden verlore

Jetzt sind Drohnen in der Lage, diese Aufgabe schnell und präzise zu erfüllen. Am Beispiel des Entweichens von wasserfreiem Ammoniak am 14. November erklärt Gatanis: „Wir haben das Verständnis für die Situation um 15 Minuten verbessert und konnten dadurch eine Stunde einsparen.“

Jetzt sind Drohnen in der Lage, diese Aufgabe schnell und präzise zu erfüllen. Am Beispiel des Entweichens von wasserfreiem Ammoniak am 14. November erklärt Gatanis: „Wir haben das Verständnis für die Situation um 15 Minuten verbessert und konnten dadurch eine Stunde einsparen.“

SMFR video showing decontamination process with Romeo Durscher

Southern Manatee hat ebenfalls die Möglichkeit untersucht, Drohnen einzusetzen, um den Einsatzort eines Zwischenfalls mit Werkzeugen vorab zu versorgen oder diese auf Anforderung zu liefern. Der Sammelpunkt des Gefahrgutteams liegt oft mehrere hundert Meter von der heißen Zone entfernt. Wenn die Alternative darin besteht, dass die Gefahrguttechniker den ganzen Weg zurückgehen müssen, um die Ausrüstung einzusammeln, ist es durchaus sinnvoll, diese mit einem Gewicht von 1 kg an einer Drohne zu befestigen.     

Diese Lösungen zur Beförderung von Messgeräten und Werkzeugen fallen in die von Gatanis als „In der Kürze liegt die Würze“ bezeichnete Kategorie: unkomplizierte, aber effektive Anpassungen, die die Manövrierfähigkeit der Drohnen nutzen, um die Sicherheit zu verbessern und Zeit einzusparen. 

Angesichts der Gefahren und Risiken, die Gefahrgutsituationen mit sich bringen, ist eine langsame und methodische Vorgehensweise erforderlich. Allerdings kann die Gefahr, bedingt durch die Umgebung, auch langsam und stetig zunehmen. Gatanis bestätigt, dass Hitzschlag und Erschöpfung aufgrund der Hitze zu den größten Risiken für Gefahrguttechniker in Florida gehören.  

Das Arbeiten in einem Gefahrgutanzug über einen längeren Zeitraum in der prallen Sonne ist, gelinde gesagt, unangenehm. „Es gibt keinen Wärmeaustausch. Die ganze Hitze, die Sie ausstrahlen, bleibt in dieser Blase, und Sie können innerhalb von Minuten gefährlich hohe Temperaturen erreichen“ 

Aus diesem Grund ist es mehr als willkommen, dass ein unbemanntes System im Dienste eines Technikers jede Strecke zurücklegen kann. Wie Gatanis sagt: „Wenn ich das Risiko minimieren und eine Maschine dafür einsetzen kann, dann ist das ein Gewinn für uns.“

Drohnen haben sich im Bereich der öffentlichen Sicherheit (BOS) inzwischen gut etabliert. Zukunftsorientierte Regierungsbehörden dehnen den Einsatz von Drohnen in Bereichen wie Umweltdienstleistungen, öffentliche Bauvorhaben, Transport und Rettungsdienste aus. Laden Sie das Whitepaper von DJI herunter, um die Best Practices für den Einsatz von Drohnen auf staatlicher und kommunaler Ebene zu erforschen.

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Tags: Public Safety

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